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Jun 25

Warten in Darwin

An einem Samstagmorgen, dem 3. Juni war es dann so weit. Wir Stiegen im Flughafen von Dili in ein Flugzeug der Airnorth und starteten Richtung Darwin. Unsere Zeit in Asien ist nun zu Ende. Entsprechend gross war dann auch der Kulturschock bei der Ankunft in Darwin. Plötzlich war es wieder überall sauber und aufgeräumt. Auf den breiten Strassen herrscht auch wieder Ordnung. Dass dies alles seinen Preis hat, merkten wir auch bald. Schon die billigste Unterkunft in einem Hostel mit Mehrbettzimmer kostet mehr als ein nettes Zweierzimmer in einem anständigen Hotel in Indonesien. Noch am Tag unserer Ankunft besuchten wir Dave, einen Freund eines Motorradfahrers, den wir am horizons unlimited Treffen kennen lernten. Dave hilft ab und zu Motorradfahrern, die von oder nach Darwin verschiffen. Ein Teil seines Hauses steht leer und er bot uns an, bei sich zu wohnen, bis unsere Motorräder da sind. Joe und Kevin, mit denen wir den Container teilten, würden ebenfalls zu uns stossen.

Wir verbrachten unsere bereits bezahlten zwei Nächte in einem Hostel, mieteten ein Auto, holten Joe und Kevin am Flughafen ab und richteten uns bei Dave ein. Jeff, ein Motorradreisender, der in die Gegenrichtung unterwegs ist, traf später am Tag auch noch ein. Ellen aus Frankreich, die in Darwin jobbt, hat sich mit ihrem Camper-Van schon seit längerem bei Dave einquartiert. Gemeinsam machten wir uns auf, um die Vorbereitungen für die Ankunft unseres Containers zu starten. Nach kurzer Zeit merkten wir, dass wir auf die Hilfe einer lokalen Logistik Firma angewiesen sind. Die Prozesse sind kompliziert und undurchschaubar, zudem musste unser Container auch noch aus dem Hafengelände heraus gebracht werden. Nun begann eine mühsame Zeit des Wartens. Über eine Woche lang wussten wir nicht so genau, was mit unserem Container los ist. Wir wussten zwar, dass er planmässig im Hafen ankam, aber laut unserer Logistikfirma wurde er zuerst von der Zoll-Behörde zurück gehalten, danach von der Quarantäne-Behörde. Wir verbrachten die Zeit mit Besuchen bei der Logistikfirma und den genannten Behörden, um ein bisschen Druck zu machen. Ansonsten organisierten wir Teile für unsere Motorräder und Campingausrüstung. Gegen Mitte unserer zweiten Woche in Darwin, hatten wir endlich ein klareres Bild der Situation. Die Quarantäne-Behörde hatte an der Aussenseite unseres Containers Spinnen gefunden. Diese mussten von einer weiteren Firma entfernt werden, die aber tagelang nicht aufgeboten wurde. Nachdem der Fehler im Prozess entdeckt wurde und das Entfernen der Spinnen angeordnet wurde, hatten wir endlich einen Termin für die Quarantäne-Inspektion unserer Motorräder und der Ausrüstung. Dummerweise wieder eine Woche später. Gleichzeitig wurden wir von Dave kurzfristig aus dem Haus heraus geworfen! Die Gründe dafür sind uns bis heute nicht klar..

Wir waren also obdachlos und mussten uns eine Woche lang die Zeit vertreiben. Mehr scherzhaft brachte ich die Idee ein, wir könnten uns doch ein Wohnmobil mieten und damit den Kakadu Nationalpark besuchen. Nach kurzer Prüfung stellte sich heraus, dass das nur wenig teurer ist, als die billigste Unterkunft in Darwin und ein Mietauto. Zudem würden wir was dabei erleben! Wir schafften es dann tatsächlich am Tag unserer Abreise bei Dave, ein solches Gefährt zu mieten. Damit düsten wir eine knappe Woche durch den Kakadu Nationalpark. So konnten wir bereits einen Teil der schönen Natur erleben und dank dem Kühlschrank und dem Kocher konnten wir uns weiterhin kulinarisch verwöhnen. Schon seit unserer Zeit bei Dave stand das Essen hoch im Kurs! Mit der Möglichkeit selbst ein zu kaufen und zu Kochen, veranstalteten wir regelrechte Essgelage.

Schliesslich war es dann so weit und der Termin zur Prüfung unserer Motorräder und der Ausrüstung auf organisches Material durch die Quarantäne-Behörde stand an. Wir waren ziemlich nervös, hatten wir doch nur 2.5 Tage mit putzen verbracht, im Gegensatz zu Joe und Kevin, die die doppelte Zeit investierten. Hier kann auch wieder viel schief laufen und wir wollten auf keinen Fall noch mehr Zeit und Geld für eine Nachinspektion verlieren. Als der Inspektor erschien, entspannte sich die Stimmung dann ein bisschen. Wir hatten ihn bei einem unserer Zahlreichen Amtsbesuche bereits kennen gelernt und er kannte unsere Geschichte. In einer knappen halben Stunde war die Inspektion des gesamten Containerinhalts dann vorüber und es gab keine Beanstandungen. Der Inspektor wies uns dann noch darauf hin, wo er ein Auge zugedrückt hat. Wir freuten uns schon, dass das ganze nun endlich zu Ende ist, aber der Amtsschimmel bäumte sich noch ein letztes Mal auf. In der Datenbank der Zoll-Behörde war unsere Fracht noch immer nicht frei gegeben. Sie wurde jedoch inspiziert und unsere Carnets wurden gestempelt. Dieses Problem bescherte uns noch einmal ca. vier Stunden Warterei, dann waren unsere Motorräder aber definitiv frei! Abgesehen von dem Problem mit den Spinnen, kann man sagen, dass wir ca. 1.5 Wochen für rein bürokratische Prozesse verloren haben. Diese führten zu einer halben Stunde „richtiger“ Arbeit für den Quarantäne-Inspektor, ein Scannen des Containers und das Stempeln der Carnets durch die Zoll-Behörde. Eine erschreckende Dysbalance!

Nun wird meine Geduld aber noch weiter auf die Probe gestellt. Bevor wir unser Abenteuer per Motorrad hier starten können, müssen wir diese erst wieder in Schuss bringen. Kleinere Arbeiten, wie das Wechseln der Flüssigkeiten und das Ersetzen des verpfuscht montieren Kettenschloss an Silvias XT, konnten wir bei einem Freund von Kevin durchführen. Als Gegenleistung dafür hatten wir ihm während unserer Zeit mit dem Wohnmobil einige Stunden lang geholfen beim Aufbau seines neuen Unterstandes. Zwei grosse Arbeiten stehen noch an: Das Ersetzen des Lenkkopflagers an der BMW und das erneute Schweissen der Federbeinaufnahme an der XT. Dazu kommt noch die Montage neuer Reifen. Wenn alles Gut läuft, werden wir damit Mitte nächster Woche fertig sein und es geht endlich weiter!

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