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Nov 25

Guwahati (25.10.. 29.10)

Die nächste Etappe führte mich, wieder im Flachen, auf Highways, die grösstenteils ihrem Namen Ehre machten, nach Guwahati. Ca. 100km vorher lernte ich den Inder Ashim kennen, der mit seiner Triumph Rocket 3 ganz Indien bereist (leider vergessen Foto zu machen..). Er ist einige Level höher auf der Luxus- Skala unterwegs und stieg im 5 Sterne Hotel in Guwahati ab. Dorthin lud er mich Abends zum Nachtessen ein. Er bot mir auch an, bei meinem Problem mit dem Lenkkopflager zu helfen. Notfalls würde einer seiner Mitarbeiter mit den Teilen von Mumbai oder Delhi nach Guwahati fliegen.. Geld scheint hier wirklich keine Rolle zu spielen.

Ich war natürlich sehr froh über diesen Plan B, wollte aber zuerst selbser schauen, ob ich die Teile lokal organisieren kann. Auch hier handelt es sich wieder um Normlager. Am nächsten Tag klapperte ich also die Lagershops der Stadt ab und tatsächlich fand ich einen, der die Lager in Kalkutta bestellen konnte, von wo sie in einem Tag in Guwahati sein sollte.

Den nächsten Tag verbrachte ich damit, eine geeignete Werkstatt zu finden. Nebst den üblichen „am Boden, im Dreck, ohne Licht“ rumwurstel- Buden gibt es ausserhalb der Stadt eine offizielle Harley- Davidson Vertretung. Diese willigten ein, mit mir zusammen die Arbeit durchzuführen. Am selben Abend trafen die Lager ein und am nächsten Tag konnte ich diese zusammen mit den Harley- Mechanikern montieren.

Weiter ging es über Dimapur, wo ich übernachtete, Richtung Impha. Dort hatte ich mit den Emmenreitern (www.emmenreiter.de) abgemacht. Wir teilten uns einen Guide für die Zeit in Myanmar. Bald nach Dimapur begann die Strasse kurvenreicher zu werden, es ging in die Berge. Verkehr hatte es ausnahmsweise nicht viel und so lud die Strecke ein, zum ein bisschen schneller Fahren. Leider habe ich in meinem Übermut wohl zu fest am Gashahn gedreht, denn ca. 30km vor Kohima sah ich mich nach (!?) einer Kurve plötzlich am Boden rum rutschen, das Motorrad rutschte vor mir. Ein verdrecktes Stück der Strasse war wohl für den Abflug verantwortlich. Leider war das optisch nicht zu erkennen und so hatte ich keine Chance zum reagieren. In Sekundenbruchteilen lag ich am Boden, wie bei Glatteis. Nachdem ich festgestellt hatte, das ich unverletzt war, wartete ich, bis sich die übliche Menge herumlungernder Inder versammelt hatte. Ging wie immer nicht lange, auch hier in den Bergen. Hier mal ein Vorteil, während dem ich mich noch von dem Schock erholte, stellten die Inder mein Motorrad wieder auf. Obwohl die BMW ca. 6m auf dem Asphalt herum rutschte, hielt der Schaden sich zum Glück in Grenzen. Das einzige, was mir wirklich Sorgen machte, war der verbogene Lenker. Das rechte Lenkerende war stark nach unten verbogen. Der Bereich, wo der Gasgriff darauf läuft, war ebenfalls verbogen, sodass dieser klemmte. Immerhin konnte man noch halbwegs mit dem Motorrad fahren. So schaffte ich es noch die 30km bis nach Kohima. Längere Zeit so fahren kam nicht in Frage und neue BMW Lenker gibt es in Kohima auch nicht. Also habe ich beschlossen, etwas zu tun, was man normalerweise bei einem Alulenker nicht tun sollte. Ich suchte einen „Mechaniker“ und liess mir den Lenker zurück biegen. Mit einer Flamme wurde der Lenker heiss gemacht und liess sich dann mit Muskelkraft biegen. Schlussendlich war er immer noch ein wenig nach unten gebogen, aber ich glaube, alle Beteiligten waren froh, dass es überhaupt soweit klappte und niemand wollte ein weiteres Risiko eingehen.. Die „Reparatur“ dauerte gerade mal eine halbe Stunde und die Jungs wollten kein Geld dafür. Sie wollten klarstellen, dass die Leute vom Bundesstaat Nagaland anständig und freundlich seien. Jep, kann ich somit bestätigen! Hintergrund ist wohl der, dass auch hier irgendwas im Busch zu sein schien. Alle paar km waren Militär am Strassenrand stationiert..

Nun stellte sich beim Fahren ein mulmiges Gefühl ein, von dem ich wusste, dass es niemals ganz weggehen würde, bis ich einen neuen Lenker habe. Wird der Lenker halten? Ich ertappte mich ständig dabei, unterbewusst den Lenker so wenig wie möglich zu belasten (was ja Grundsätzlich eigentlich eine gute Sache ist). Das einzige, was ich tun konnte, war die zweifelhafte Stelle ab und zu visuell zu Begutachten.

Gegen Abend erreichte ich Imphal und das Hotel, wo die Emmenreiter abgestiegen sind. In der Tiefgarage des Hotels stellte ich meine fette BMW neben die zierlichen, fast 30 jährigen MZ Motorräder und machte mich auf die Suche nach deren Besitzern. Nach einigen Kontakten per Email freuten wir uns alle, uns gegenseitig kennen zu lernen. Natürlich gab es viel zu erzählen und so verbrachte ich einen unterhaltsamen ersten Abend mit Suse und Micha.

2 Kommentare

  1. Barbara T

    Vielen Dank für die nette Berichterstattung, aber ist mittlerweilen nicht bereits 1 Monat später (26. November)? ?

    1. Thomas

      Ja, bin ein Bisschen im Rückstand.. Ich arbeite daran 🙂

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