«

»

Okt 23

Goa – Kathmandu (4.10.. 8.10)

Die vier Tage in Goa vergingen viel zu schnell. Ich kam gar nicht dazu, richtig die Gegend zu erkunden. Gerne wäre ich noch länger geblieben. Mehr Zeit konnte ich mir aber nicht nehmen, da der Termin für die Einreise in Myanmar fix ist und ich noch Visa für Myanmar und (ein neues) für Indien in Kathmandu besorgen muss. Das neue Indien Visum ist nötig, da sich der ursprüngliche Einreisezeitpunkt in Myanmar nach hinten verschoben hatte und mein bestehendes Visum vorher abläuft. Von der ursprünglich aus vier Personen bestehenden Gruppe, die sich den obligatorischen Guide teilen wollte, war nur noch ich übrig geblieben. Somit machte das keinen Sinn und ich wechselte in eine spätere Gruppe.
Die Tage in Goa verbrachte ich jeweils am Morgen mit organisatorischen Dingen, den Rest des Tages mit Faulenzen am Strand. Ich kaufte unter anderem ein neues Samsung Telefon, da mein altes langsam den Geist aufgab. Auch die Reifensuche beschäftigte mich weiterhin. Schlussendlich machte ich einen Vorderreifen in Bangalore aus und der Verkäufer willigte ein, diesen nach Mumbai zu schicken. Ich würde also auf dem Rückweg in Mumbai den Reifen mitnehmen können.
Was in der Theorie verlockend erschien, stellte sich dann aber als grosses Debakel heraus. Ich kam nach einer Tagesetappe in Mumbai an und der Verkäufer des Reifens versicherte mir, dass der Reifen am nächsten Morgen mit einem Überlandbus ankommen würde. Mein Plan war es also, den Reifen in Empfang zu nehmen, auf das Motorrad zu schnallen und weiter zu fahren. Bei der nächsten günstigen Gelegenheit würde ich ihn dann Montieren oder Montieren lassen. Leider kam der Reifen an diesem Morgen nicht. Dem Verkäufer fiel dann ein, dass der Bus nicht morgens um 7:30, sondern abends um 7:30 ankommt. Das befremdete mich ein bisschen. Im Laufe des Tages erhielt ich einen Anruf von einer Person, die in dem Bus zu sein schien. Der Typ sprach ein Englisch, das wohl nur Inder verstehen können. Ich vernahm Worte wie „mechanical problem“, „delay“, „11 o’clock“. Den Rest konnte ich mir ja zusammenreimen. Gegen Abend rief ich den Typen nochmals an, um sicher zu sein, dass er um 11:00 ankommen würde. Ich konnte es nicht herausfinden, die Sprachbarriere war zu hoch. Also bat ich den Rezeptionisten in meinem Hotel, das zu tun. Ihm wurde ein Rückruf versprochen, der niemals stattfand. Der Bus- Typ war dann nicht mehr erreichbar. Auch der Verkäufer des Pneus war nicht mehr erreichbar. Da Silvia schon eine Banküberweisung initiiert hatte, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Als ich auch am nächsten Morgen nichts von den Typen hörte, beschloss ich, das Ganze definitiv als Betrug ab zu tun und weiter zu fahren. Ich bat Silvia, zu versuchen, die Überweisung zu stoppen.
Nach diesem frustrierenden Erlebnis war immerhin die Fahrt an diesem Tag easy. Sie führte mich auf guten Strassen mit wenig Verkehr ins 580km entfernte Indore. Gegen Mittag empfing ich eine SMS mit einem Kauderwelsch, dass man so interpretieren könnte, dass der Reifen nun in Mumbai sei. Umkehren war dann für mich aber keine Option mehr. Ich musste Strecke machen und beschloss, mir einen Reifen nach Kathmandu schicken zu lassen.
Auch die folgenden Tage bestanden genau daraus: Strecke machen. Es stellte sich heraus, dass die gewählte Route Richtung Nepal ab Indore durch ärmere Landesteile führte. Übernachtet habe ich in grösseren Städten, wo es anständige Hotels gab. Dazwischen gab es Schlagloch übersäte „Highways“, unglaublich dreckige Ortschaften und Kühe auf der Strasse. Unterwegs hielt ich nur an um Snacks und Wasser zu kaufen. Sobald ich das tat, wurde ich von Leuten umringt. Konsumiert habe ich die Snacks dann an Orten, wo man mich nicht so gut entdecken konnte.
Am morgen der zweitletzten Tagesetappe vor Kathmandu, entdeckte ich beim Schmieren der Kette, dass die hinteren Radlager den Geist aufgegeben hatten. Das Rad hatte bereits gut spürbares Spiel. Nach kurzer Recherche im Internet, fand ich heraus, dass es im 300km entfernten Lucknow einen SKF Lagerladen geben sollte. Ich beschloss, dass Risiko auf mich zu nehmen und mit den defekten Radlager dorthin zu fahren. Zum Glück war die Strasse dort hin anständig. Ich fuhr mit gemässigter Geschwindikgeit, allen Unebenheiten ausweichend, um die Lager möglichst zu schonen. Ich hatte die genaue Typenbezeichnung der Lager notiert (Standard Industrielager). Der Verkäufer im SKF- Laden brachte mir von der Bezeichnung abweichende Lager (2Z statt 2RS). Seiner Aussage nach seien die zwei Typen identisch. Irgendwie vertraute ich dem Typen und packte die Lager ein, ohne die Verpackung zu öffnen und sie mir an zu schauen. Mit den Lagern im Gepäck machte ich mich auf die Suche nach einer Motorradwerkstatt. Nach kurzer Sucherei fand ich eine, für die das kein Problem war, wie immer..
Die Mechaniker machten sich sofort daran, auf der Strasse, im Dreck, das Rad und die Lager zu demontieren. Es war brutal heiß, der Schweiss lief mir in Strömen über das Gesicht. Mehrere Leute arbeiteten gleichzeitig an meinem Motorrad. Werkzeug, Achsteile, usw. wurden achtlos in den Dreck geworfen. Die Leute arbeiteten hektisch und ohne jegliche Bedacht, ständig musste ich sie davon abhalten, etwas zu vermurksen. Der Hammer war das wichtigste Werkzeug. Erinnerungen an D***ing wurden wach (Insider). Nur, dass es hier um mein Fahrzeug ging.. Beim Auspacken der neu gekauften Lager sah ich dann, das diese die falsche Abdichtung hatten. Die Mechaniker waren jedoch nicht zu stoppen und als ich sah, wie die Lager mit Schlägen auf den Innenring in die Nabe rein gemurkst wurden, war mir klar, dass ich diese Arbeit an einem anderen Ort eh nochmals machen musste. Somit spielte es auch keine Rolle, wenn nicht die korrekten Lager eingebaut wurden. Die ganze Szenerie wurde umringt von Indern. An das nie endende „How much, how much?“, „selfie, selfie“ „(ehrfurchtsvoll) Bi Em Dabeliu“ hat man sich ja fast schon gewöhnt. Durch das schnelle Arbeiten war der ganze Spuk nach ca. 20min. zum Glück schon vorbei. Zu meinem Erstaunen waren die Lager nicht verspannt und ich war mir klar, dass ich damit sicher und ohne Rücksicht nehmen zu müssen, nach Kathmandu fahren kann. Immerhin das. So schnell wie möglich bezahlte ich die Murkser und verliess die Stadt. Der Fahrtwind kühlte mich und der Stresslevel normalisierte sich langsam wieder.
Am nächsten Tag stand nach einigen Stunden Fahrt der Grenzübertritt nach Nepal auf dem Programm. In der Grenzstadt gab es einen ca. 600m langen Stau. Einen indischen Stau. Einer jener Staus, bei dem auch Fussgänger nicht durch kommen, weil jeder qcm von einem Fahrzeug eingenommen wird. Nach ca. einer Viertelstunde und 200m in diesem Stau fragte mich ein Ladenbesitzer am Strassenrand, ob ich schon im „Immigration office“ gewesen sei. Nein, war ich nicht. Das sei ca. 150m zurück.. Also wendete ich inmitten des Gedränges mein Motorrad und fuhr zurück. Tatsächlich war am Strassenrand ein verrostetes, schief stehendes Schild zu sehen, das auf das Immigration office wies. Nachdem ich in dem schäbigen Gebäude meinen Ausreisestempel abgeholt hatte, wendete ich abermals in der Fahrzeugmasse mein Motorrad und fuhr wieder Richtung Grenze. Wegen dem Carnet musste ich noch zum „Customs office“. Hier gab es nicht mal ein Schild am Strassenrand, sodass ich auch dieses Office verpasste. Immerhin musste ich nicht so weit zurückfahren. In Indien sind auch einfache Dinge schwierig. Alles ist schwierig.
Deshalb war ich froh, kurz darauf in Nepal angekommen zu sein. Ich hoffte auf Entspannung. Vorher musste jedoch noch die Strecke nach Kathmandu bewältigt werden. Da Teile der Strasse aus Erdpiste bestanden und es zu regnen begonnen hatte, kam ich nur langsam voran. Dadurch war ich bei Sonnenuntergang immer noch unterwegs. Wie in Indien, auch hier eine besondere Herausforderung. Mindestens 50% der Verkehrsteilnehmer haben den Sinn von dem Abblendlicht nicht verstanden. Ständig wird man geblendet. So geblendet, die munter weiterhin auf der Strasse latschenden Fussgänger rechtzeitig zu sehen, ist so etwas wie eine Lotterie.. Irgendwann fiel mir auf, dass ich auch ungeblendet immer weniger sehe. Die Schrauben zur Befestigung des Scheinwerfers hatten sich losvibriert. Natürlich musste das genau jetzt passieren. Fluchend kramte ich am Strassenrand mit dem Licht der Stirnlampe mein Werkzeug hervor und meisterte auch diese letzte Hürde. Von da an ging es ereignislos nach Kathmandu, wo schon ein kühles Bier auf mich wartete.

(No time for pictures :-)).

2 Kommentare

  1. Sonja

    Wow e ziemlich abentürlichi Etappe gsi.. wieterhin viel Glück und Glasseheit wünschi.. ?

  2. Masoud

    Hi Thomas! i hope to have good days in your trip and hope to see you again.

    best…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>