Dez 07

Neuseeland Südinsel

Auf dem Weg zum Franz Joseph Gletscher, führte die Strasse der Küste entlang. Diese ist unglaublich schön und wild. Hier sieht man auch spezielle Gesteinsformationen, die Pancake Rocks. Wieso diese Felsen übereinander gelagerte Schichten haben, so dass sie wie Pancakes aussehen, soll laut einem Schild, für die Geologen nach wie vor unklar sein. Interessant sahen sie trotzdem aus.

Beim Franz Joseph Gletscher entschied ich mich, die Wanderung hinauf zum Roberts Point zu machen. Es geht über einige schmale Hängebrücken und über Felsen und Geröll mit einigen Kletterpartien hinauf auf 605m, wo man eine wunderbare Sicht auf den Gletscher hat. Dort angekommen, traf ich einen Italiener und zwei Deutsche. Schon lustig, dass man so weit reisen kann und dann Leute aus den Nachbarländer trifft. Dieser Gletscher ist ca. 10 km lang. Er entstand, da zwei tektonische Platten hier aufeinander treffen und so ein hohes Gebirge entstand, welches die idealen Bedingungen für einen Gletscher bot. Früher reichte der Gletscher sogar bis ans Meer.

Der Fox Gletscher war für mich ein bisschen weniger Spektakulär, da man nicht so Nahe an den Gletscher laufen kann. Er schiebt viel Gestein auf dem Eis vor sich her und erscheint daher nicht weiss, sondern grau.

Als ich in Wanaka ankam, war ich erst Mal erschrocken. Das Dorf war überlaufen mit Leuten! Man fand nicht einmal einen Parkplatz, alles war zuparkiert. Offensichtlich hat die Hochsaison begonnen in Neuseeland und hier in Wanaka und in Queenstown sammeln sich nun die Touristen. Hochsaison heisst auch, dass man als allein Reisende plötzlich den doppelten Preis für das campieren zahlen muss. Denn die Betreiber der Campingplätze sagen sich, dass sie den Platz, welcher ja eigentlich Platz für 2 Leute bietet, garantiert vergeben können und daher muss man als Alleinbenützer auch den Preis für 2 Leute zahlen. Zum Glück fand ich doch immer einen Campingplatz, der noch nicht auf Hochsaison umgestellt hat und ich kam billiger davon. Um dem ganzen Trubel zu entfliehen, wanderte ich hinauf auf den Roys Peak. Ich wollte lieber Natur als zu viele Leute um mich. Die Route führte mich, steil Bergauf auf den 1578m hohen Berggipfel. Ich wurde belohnt mit einer so schönen Aussicht, dass ich gleich 1,5h oben blieb. Es gab kaum Wolken, die Sicht war so klar, einfach ein Traum. Obwohl ich früh (6:40Uhr) los wanderte, war es im unteren Teil schon extrem heiss, da die Sonne nur so hinunter brannte. Als ich dann kurz vor Mittag wieder unten war, kamen mir viele Leute entgegen, die keinen Sonnenschutz dabei oder sogar nicht mal Wasser dabei hatten und 2h Stunden steil bergauf wandern wollten. Da kann ich nur den Kopf schütteln, denn inzwischen war es 30 Grad warm und die Sonne schien unerbärmlich vom Himmel. In Queenstown lief ich dann noch früher los (6:15 Uhr), um den Ben Lomond Gipfel zu erreichen. Einerseits um der Hitze zu entgehen und andererseits dem Massentourismus. Denn es gibt eine Gondel, mit welcher man die ersten ca. 600 Höhenmeter überwinden kann. Natürlich wählen viele diesen einfacheren Weg. Aber wenn ich einen Gipfel erklimme, dann schon von ganz unten 😉 An diesem Tag, war ich die erste Frau, oben auf dem 1748m hohen Gipfel. Vor mir waren nur zwei Typen oben, welche den Sonnenaufgang sehen wollten. Leider war zu Oberst die Sicht auf Queenstown durch Wolken verdeckt. Es kam aber ein Rentner kurz nach mir Oben an, mit welchem ich mich unterhalten konnte und so verging die Wartezeit auf eine Unverdeckte Sicht im Nu. Es stellte sich hinaus, dass der Mann, ein pensionierter Tierarzt ist, in Queenstown lebt und jede Woche 1 Mal auf den Gipfel steigt um seinen Kaffee zu trinken. Hut ab vor so einer Leistung in dem Alter! Nach einer Stunde lichteten sich die Wolken und man hatte eine wunderschöne Rundumsicht auf Berge und Seen. Queenstown ist bekannt für Adrenalin-Kick Sportarten. Nahe bei der Stadt soll von der Kawarau Brücke der erste Bungy Jump Weltweit vor 27 Jahren gemacht worden sein. Ich schaute mir das ganze Spektakel aus der Nähe an, was sehr unterhaltsam war. Man kann sich 43 Meter an einem elastischen Seil in die Tiefe stürzen. Mir war das aber nicht 285NZ Dollars wert. Viel zu teuer für ca. 2 Sekunden freier Fall 😉

Ich machte lieber eine Kajak Tour im Fjordland Nationalpark beim Milford Sound. Hier kann man in einer kleinen Gruppe von je 4 Kajaks und einem Guide eine ca. 4 Stündige Tour übers Wasser machen. Da es 2er Kajaks waren, hatte ich das Vergnügen mit einem Griechen das Kajak zu teilen. Er sass hinten, wo die Steuerpedale waren. Trotz Regen war es sehr lustig mit ihm, da das Kajak nicht immer machte, was er oder ich wollten 😉 Neben 2 grossen Wasserfällen sahen wir auch einige Pinguine nur ca. 3 Meter von uns entfernt in einer Gruppe schwimmen und ein Seelöwe ca. 2 Meter entfernt, welcher sich hin und her rollte, um seine Verdauung in Schwung zu bringen. Durch die grossen Touristen Schiffe, welche ebenfalls Touren auf dem Milford Sound anbieten, gab es Teils grosse Wellen, was aber das ganze nur interessanter machte. Ich bin auf jeden Fall froh, habe ich mich für die Kajak Tour und nicht für die Schiffs Tour entschieden 🙂

Von Te Anau aus, machte ich dann doch noch eine Schiffs Tour. Einige Neuseeländer haben mir die Tour zum Doubtful Sound empfohlen, da es schöner und weniger touristisch sein soll. Man fährt mit einem Schiff zuerst über den Manapouri See zu einem Kraftwerk, nimmt dann den Bus bis zum Doubtful Sound und besteigt wiederum ein Schiff um dem Fjord entlang bis zum Meer zu fahren. Da ich mich für die frühe Tour, welche bereits um 6:15 Uhr los geht, entschied, waren wir gerade mal 7 Leute! Wir hatten ein Schiff für 45 Leute ganz für uns allein. Das war ein grosses Plus für mich, da man so die Landschaft viel mehr geniessen kann und eher mit anderen Leuten in Kontakt kommt. Der Kapitän des letzten Schiffes nahm sich dann auch Zeit um mit jedem einzelnen Passagier ein Gespräch führen zu können. Da wo der Doubtful Sound ins Meer fliesst, sieht man die Grenze durch einen deutlichen Farbunterschied. Hier gibt es eine Insel, wo es sehr viele Seelöwen hat, wo sich den Tag durch Sonnen und von der Fischjagd erholen. Es war sehr schön diese Tiere mal in freier Wildbahn und nicht nur im Zoo zu sehen.

Von Te Anau fuhr ich ganz in den Süden der Südinsel zum Bluff. Hier soll Thomas Wanderung nach 3000km Enden. Fälschlicherweise wird immer angenommen, dass dies der südlichste Punkt der Südinsel sei. Ist es aber nicht. Es ist der Slope Point. Nahe dieses Punktes gibt es die Curio Bay. Hier sah ich mir den versteinerten Wald an. Dies ist einer der umfangreichsten fossiler Wälder aus der Jura Zeit. Er erstreckt sich von der Curio Bay bis zum Slope Point. Es soll in dieser Bucht auch Hector Delphine und Gelb-äugige Pinguine geben, welche beide sehr rar sind. Leider hatte ich kein Glück sie zu sehen. Da es regnete, blieb ich auch nur ca. 1 Stunde dort und fuhr dann weiter durch die Catlins nach Owaka. Diese Region ist eher dünn besiedelt und besteht aus vielen grünen Hügel und Unmengen an Schafen und Kühen.

Am nächsten Tag hatte ich eine lange Strecke vor mir. Ich fuhr Nordwärts ins Landesinnere zum Pukaki See und weiter zum Mount Cook (Aoraki). Mit 3724m Höhe ist es der höchste Berg Neuseelands. Der Berg ist nach dem Seefahrer James Cook benannt, welcher als Erster Neuseeland umfahren und für Grossbritannien besiedelt hat. Der Tasman Gletschersee beim Mount Cook ist leicht mit dem Auto zu erreichen und nach einem kurzen Fussweg auf einen Hügel, hat man eine wunderbare Sicht auf den Gletscher und den See. Via Hooker Tal, gelangt man zu Fuss zum Mueller See und dann Hooker See, welche auch Gletscher Seen sind. Die Sicht von hier auf den Mount Cook war spektakulär. Nach ca. 1,5 Stunden laufen in segnender Hitze, war ich froh, konnte ich meine Füsse im eiskalten See abkühlen. Es trieben sogar Eisschollen im See vor sich hin, so kalt war es.

Am Morgen hielt ich kurz in Pukaki, wo man Lachs Essen kann. Dieser Lachs wird in einem Fluss, welcher vom Gletscher gespeist wird, gezüchtet. Schmeckt sehr gut! Über den Arthurs Pass gelangte ich wieder an die Westküste der Südinsel, wo ich mir in der Nähe von Westport nochmals Seelöwen anschauen konnte. Vom Cape Foulwind kann man einen Weg zur Tauranga Bucht laufen, wo man die Tiere dann sehen und hören kann. Es gab dort sogar ganz junge Seelöwen, welche man beobachten kann. Da das Wetter momentan so toll ist (nur Sonne, keine einzige Wolke am Himmel), entschied ich mich einen Campingplatz am Meer zu suchen. Diesen fand ich dann etwas abseits der Hauptstrassen beim Mokihinui Fluss, welcher ins Meer mündet. Hier gibt es einen gemütlichen Campingplatz mit grünen Wiesen, direkt am Meer, wo ich nun sitze und diesen Blogeintrag geschrieben habe.

Dez 02

Kahurangi Nationalpark (22. – 24.11.17)

Auf der Südinsel angelangt fuhr ich nach Takaka. Dort Arbeitet Joe, welchen wir auf unserer Reise mit dem Motorrad in Indonesien kennengelernt und mit ihm nachher den Schiffscontainer von Dili (Osttimor) nach Darwin (Australien), geteilt haben. Er arbeitet für das DOC (Departement of Conservation), welche die Natur und Tiere schützen und pflegen, Hütten und Campingplätze unterhalten und Informationen für Touristen und Lokale auf dem Internet zur Verfügung stellen. Er hatte gerade einen 2 Tägigen Einsatz im Kahurangi Nationalpark vor sich, wo er zu einer abgelegenen Hütte musste um einige Arbeiten dort zu verrichten. Der Weg dorthin ist nur bei Ebbe passierbar, da man einige Meer/Fluss Durchquerungen machen muss. Wir hatten 2 Motorräder und ein Amphibien-Fahrzeug dabei. Zuerst fuhren wir mit 2 Pick-up’s, wo unser Equipment aufgeladen war, auf einer Schotterstrasse zum Turimawiwi River, wo die Strasse endete. Danach ging es an den Strand. Joe und sein Kollege fuhren die Motorräder und ich fuhr im Amphibien-Fahrzeug mit 2 anderen Arbeitskollegen von ihm mit. Die erste Wasserdurchquerung des Turimawiwi River war schon mal spannend. Unser Fahrzeug steckte im losen Sand, Mitten im Wasser fest. Wir wurden bis zu den Knien nass, da wir ins Wasser springen mussten um das Fahrzeug anzuschieben. Die Durchquerung des Big Rivers war sogar noch herausfordernder. Wir waren ca. 1.5h vor dem tiefsten Stand der Ebbe dran und hatten keine Lust zu warten. Unser Anhänger wurde geflutet, da es so tiefes Wasser war. Da wir uns wieder festfuhren mussten wir unser Fahrzeug wieder anschieben. Dieses Mal wurden wir aber bis auf die Unterhose nass, da es tiefer war und die Räder beim durchdrehen Wasser von sich spritzen. Schlussendlich gelangten wir aber ans andere Ufer. Joe hatte da weniger Glück. Mit dem Motorrad ist es nicht einfach, wenn es tief ist und es sehr weichen Untergrund im Wasser hat. Sein Motorrad fiel nach der Hälfte der Strecke ins Wasser. Da der Motor nicht mehr ansprang mussten wir es ans Ufer schieben. Nach dem das halbe Motorrad auseinandergenommen wurde um zu schauen, wo das Problem lag (Tank weg, Luftfilter ausdrücken, Zündkerze checken), sprang das Motorrad immer noch nicht an. Nun wurde es auf das Hinterrad gestellt und siehe da, das Wasser floss nur so aus dem Motorrad raus. Aber es nützte alles nichts. Schlussendlich wurde es mit einem Seil am Amphibien-Fahrzeug festgemacht und umhergezogen um so evtl. den Motor starten zu können. Nach ca. 1 h klappte das dann tatsächlich auch und die Fahrt ging weiter (inzwischen wäre die Wasserdurchquerung um vieles einfacher gewesen, da der Wasserstand viel tiefer gewesen ist ;)). Nach einem kurzen Stück über Steine, Felsen und Strand, gelangten wir zur DOC Hütte des Leuchtturms. Alles war überwuchert. Das Gras stand hüfthoch und überall gab es Spinnweben. Es war höchste Zeit diesen Ort wieder in Schuss zu bringen. Wir blieben 2 Nächte und einen Tag dort. Nachdem wir Fenster, Böden, Feuerstelle, Toiletten, Dachrinnen etc. geputzt hatten und das Gras um das Haus gemäht war, sah es wieder bewohnbar und gemütlich aus. Wir genossen den letzten Abend mit einem wohlverdienten BBQ. Es war gut zu sehen, was die DOC Angestellten alles leisten müssen um solche Orte in Stand zu halten. Je nach Campsites/ Hütten sind sie entweder gratis oder man muss ca. 13 NZ Dollar zahlen um dort zu Übernachten, was so gut wie nichts ist und doch gibt es immer wieder Leute die nicht zahlen. Auf dem Rückweg warteten wir dieses Mal, bis wirklich der tiefste Stand der Ebbe erreicht war. Ich durfte mit Joes Motorrad am Strand entlang zurückfahren, was unglaublichen Spass gemacht hat 🙂

Ich blieb noch einen Tag länger bei Joe zu Hause und ging die Gegend erkunden, denn er wohnt an einem sehr schönen Ort bei der Golden Bay. Hier gibt es Traumstrände mit extrem klaren Wasser. Danach ging meine Entdeckungsreise der Südinsel Neuseelands wieder alleine weiter.

Nov 25

Neuseeland Nordinsel (8.11.-20.11)

Mit dem Mietauto fuhren wir in 2 Tagen von Auckland zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt des Festlandes Neuseelands, wo Thomas Wanderung anfängt. Die Fahrt hinauf genoss ich, gab es doch viele Kurven durch grüne Hügel. Was mit dem Motorrad toll ist, ist auch mit dem Auto toll. Am Freitag Morgen war es dann soweit und die grosse Wanderung begann. Nach dem obligatorischen Foto beim Leuchtturm, dem Start der Wander-Strecke, verabschiedeten wir uns und jedes ging seinen Weg.

Unsere Wege trennten sich, da Thomas noch ein bisschen mehr Abenteuer braucht als ich. Ich werde im Dezember zurück in die Schweiz kehren und Anfang 2018 wieder mit Arbeiten beginnen. Irgendwie muss ja jemand nach so langer Zeit wieder mal Geld verdienen 😉

Da wir nun getrennt unterwegs sind, gibt es neu 2 Seiten zur „Aktuellen GPS-Route“. Eine für Thomas und eine für mich. Wir werden aber beide weiterhin Beiträge im Blog veröffentlichen.

Als Erstes führte mich meine Solo Reise nach Waitangi, wo ich einen Einblick in die Maori Kultur erhielt. Die Maori haben etwa 300 Jahre vor den europäischen Seefahrern von Polynesien aus Neuseeland besiedelt und waren somit die ersten Bewohner Neuseelands. Wie so üblich brachten die Europäer aber auch Krankheiten mit sich, so dass viele Maori starben, da ihre Immunsysteme nicht auf diese Krankheiten vorbereitet waren. Im Vertrag von Waitangi wurde 1840 die Besitztümer Ansprüche zwischen Maori und der britischen Krone geregelt. Da aber durch Übersetzungsfehler viele Unklarheiten der Interpretation bestanden, gab es Auseinandersetzungen. Die Maori wurden durch diesen Vertrag ihres Landes enteignet und ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit bestohlen. Erst seit 1975 können die Maori ihr Land zurückfordern oder eine Entschädigung verlangen. Nach so viel Kultur wollte ich das Nationaltier Neuseelands, den Kiwi sehen. Da dieser Vogel aber sehr scheu und vor allem Nachtaktiv ist, ist es sehr unwahrscheinlich ihn in der Natur zu sehen. Daher ging ich zum Kiwi North Museum. Dort gibt es ein Haus, wo Kiwis aufgezogen werden, bevor sie in die freie Natur entlassen werden. Das Haus ist im Dunkeln gehalten, so dass für die Vögel Nacht ist, wenn bei uns Tag ist. So kann man sie sehen, wenn sie auf Futtersuche sind. Die Kiwis können nicht fliegen, da sie sehr kleine Flügel haben. Dafür haben sie einen sehr langen Schnabel, mit welchem sie, einem Geruch folgend, auf Nahrungssuche gehen.

In Neuseeland wurden die „Herr der Ringe“ Filme gedreht. Auf dem Anwesen der Alexander Farm, wo Schafe gezüchtet werden, steht nach wie vor die Kulisse und so kann man das Dorf Hobbiton besuchen. In den grünen Hügeln sind die kleinen Wohnungen mit runden Toren gebaut. Jedes Höhlenhaus hat mit vielen ausgesuchten Details, seine eigene Story zu erzählen. So gibt es etwa die Höhle eines Schreiners, eines Käsers oder eines Fischers. Kreuz und quer wird man durch dieses Dorf geführt und mit Anekdoten über den Regisseur Peter Jackson unterhalten, bis man schliesslich bei der Schenke, dem Green Dragon Inn ankommt, wo es ein hausgemachtes Bier und Snacks gibt. Nach diesem kurzen, aber faszinierenden Einblick in die Welt der Filmindustrie fuhr ich nach Rotorua. Hier auf der Nordinsel gibt es viele Geothermische und Vulkanische Aktivitäten. So kann man Geysire, blubbernde Schlammlöcher, heisse Quellen etc. sehen. Um den mehrmals pro Tag Wasser ausspuckenden Pohutu Geysir sehen zu können, müsste man viel Eintritt bezahlen. Durch das Internet erfuhr ich aber, dass man vom Parkplatz des Silver Oaks Hotels, ebenfalls eine, zwar etwas eingeschränkte, aber gute Sicht auf den Geysir hat. Leider sah man von dort aber nicht den ganzen Geysir, sondern nur der oberste Teil. Es gab aber einen Holzzaun, den ich kurzerhand erklomm und so hatte ich die beste Aussicht darauf und erst noch gratis.

In der Nähe gibt es das Waimangu Volcanic Valley. Ein Tal, welches durch eine Vulkan Eruption 1886 entstanden ist. Hier kann man auf einer kurzen Wanderung, die grösste heisse Quelle der Welt sowie andere Geothermische Naturwunder, sehen. Am Ende des Tals gelangt man zum Rotomahana See, wo es extrem viele schwarze Schwäne zu sehen gibt. Was mir besonders gefallen hatte, war mein Ausflug zum Whakarewarewa Wald. Hier gibt es unter anderem die sehr hohen und dicken Redwood Tannen zu sehen. Es gibt hier kürzere und längere Wanderungen und sehr viele Mountainbike Tracks. Mich interessierten aber vor allem die riesigen kalifornischen Redwood Bäume. Im Jahr 1901 wurden hier einige Redwoods angepflanzt, da sie für sehr gute Baugeigenschaften bekannt waren. Die Rinde dieser Bäume kann bis zu 30cm dick werden, wodurch eine gute Isolierung entsteht und der Baum somit vor Feuer und Insekten gut schützt. Der grösste dieser Bäume in Rotorua ist ca. 72 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 169 cm.

Nach einem langen Tag auf den Füssen, gönnte ich mir ein Fussbad in einer der heissen Quellen. Das kann ich nur empfehlen, das entspannt richtig schön 🙂

Im Wai-o-Tapu Park gibt es den Lady Knox Geysir, welcher jeden Morgen um kurz nach 10 Uhr Wasser ausspucken soll. So ein Naturphänomen hautnah zu sehen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dass aber irgend etwas damit nicht stimmen kann, war mir bald klar, als ich sah, dass eine Tribüne vor einem Geysir-Schlund aufgebaut war, Ströme von Touristen zu diesem Ereignis gekarrt wurden und ein Maori eine Ansprache hielt. Es stellte sich dann heraus, dass der Geysir zwar innerhalb von 72 Stunden immer wieder natürlich ausbricht, man aber die Zeit nicht vorher sagen kann. Um die Touristen nicht zu enttäuschen, wurde nun einfach ein Pulver in den Schlund geschüttet, so dass der Geysir anfing zu schäumen, bis er schliesslich eine Fontäne heissen Wassers ausspie. Ich war masslos enttäuscht. Hatte ich doch vor ein paar Jahren in den USA im Yellowstone Nationalpark, tatsächlich einen natürlich ausbrechenden Geysir gesehen und gedacht, es wäre das Gleiche mit dem Lady Knox Geysir. Obwohl es im Wai-o-Tapu Park noch andere geothermische Landschaften zu sehen gibt, würde ich nicht mehr dorthin gehen. Dagegen ist der Orakei Korakao Geothermal Park ein echter Höhepunkt. Man wird mit einem Boot über den Ohakuri See gefahren, wo man dann auf der anderen Seite via unzähligen Treppenstufen eine wunderschön farbige Vulkanlandschaft durchlaufen kann. Hier gibt es viele heisse Quellen, blubbernde Schlamm Pools und Alles in den schillerndsten Farben.

Leider hatte ich keine Zeit um die 1 tägige Wanderung über den Mount Ruapehu zu machen, wo ebenfalls Teile der Herr der Ringe Filme gefilmt wurden, und die Landschaft sehr schön sein soll. Man konnte aber mit dem Auto in ein Skigebiet hochfahren und nach einem kurzen Spaziergang an stillgelegten Sesselliften vorbei, kam man zu einem schönen Aussichtspunkt, wo man direkt den Mount Ruapehu sehen konnte. Beim hinauf fahren kam mir doch prompt ein Auto auf meiner Fahrbahn entgegen und das erst noch direkt nach einer Kurve. Zum Glück merkte der Fahrer des anderen Autos sehr schnell, dass er falsch fuhr und wechselte die Fahrbahn. Ansonsten wäre mein Mietauto wohl ein Stückchen kürzer geworden… Daraufhin suchte ich mir eine weniger Touristische Strasse und so fuhr ich den Forgotten World Highway, welcher von Taumarunui nach Stratford führt und eine kurze Schotterstrecke beinhaltet. Dieser führte durch eine hügelige Landschaft mit Schaffarmen und vielen Kurven. In Stratford hat man dann die Aussicht auf den Mount Taranaki. Dies ist ein perfekt Kegelförmig geformter Vulkan, welcher eine Schneespitze hat und 2518 Meter hoch ist.

In Wellington schaute ich mir die Weta Caves an. Ein Studio, wo viele Spezial Effekte für die Filmindustrie hergestellt werden. Hier gibt es diverse Abteilungen, welche für 3D Effekte, Waffen, Kostüme, Modelling oder auch Haare zuständig sind. Während der Tour sieht man viele Gegenstände, welche in bekannten Filmen benutzt wurden. Ich kam aus dem Staunen kaum raus. Die Techniken die hier angewendet werden und in welch kurzer Zeit von einem Entwurf z.B. ein komplettes Kostüm hergestellt wird, ist beeindruckend. Im Te Papa Tongarewa Museum kann man die riesigen Statuen einiger Soldaten anschauen, welche das Weta Cave Studio zu Gedenken an die gefallenen Neuseeländischen Soldaten in den vergangenen Kriegen, anfertigte. Eindrücklich! Man sieht sogar den Schweiss auf den Gesichtern oder blutende Wunden an den Armen, die lebensecht gestaltet wurden.

Nach zwei Tagen in einem AirBnB bei einer Neuseeländischen Familien, hiess es Abschied nehmen von der Nordinsel und die Fähre auf die Südinsel zu nehmen. Das Ganze war aber nicht so einfach mit dem Mietauto. Man durfte das Mietauto, obwohl es eine Autofähre war, nicht auf die andere Insel mitnehmen. Also musste ich meine Taschen packen, das Mietauto in Wellington abgeben und als Fusspassagier auf die Fähre. In Picton, auf der Südinsel, sollte ich dann ein neues Mietauto in Empfang nehmen können. Die Fähre hatte aber über eine Stunde Verspätung, bis sie endlich in Picton ankam. Aber zum Glück hatte die Auto Vermietung Abends noch geöffnet und so bekam ich mein neues Auto ohne Probleme. Ich bekam sogar noch ein Upgrade zu einer teureren Autoklasse, da sie keinen Toyota Corolla mehr hatten. Es war nicht nur ein Upgrade, nein ich bekam ein Nigelnagelneues Auto mit gerade mal 700km auf dem Zähler!

Nov 15

Die letzten Erlebnisse in Australien (23.10.17 – 7.11.17)

Nach dem tollen Erlebnis des Moto GP’s nahmen wir am nächsten Tag die Fähre von Sorrento nach Queenscliff. Dann wartete die Great Ocean Road auf uns. Hier gehen so gut wie alle Touristen hin, mieten ein Auto und fahren diese Strasse. Daher ist die Strasse meist überfüllt mit Leuten, welche oft keine Ahnung vom Auto fahren auf der linken Strassen-Seite haben und daher muss man um so mehr aufpassen. Ich wollte diese Strasse aber dennoch sehen, da es tolle Naturgebilde entlang der Route geben soll und auch Koalas. In ganz Australien hatte ich noch keine wilden Koalas gesehen und in einen Zoo wollte ich nicht 😉 Die Great Ocean Road führt mehr oder weniger der Küste entlang. Am ersten Tag sahen wir bereits die ersten Koalas. Man musste dafür nur eine Schotterstrasse Landeinwärts fahren und nach ein paar 100 Metern sassen die ersten Koalas bereits oben in den Bäumen. Da wir wussten, dass meine Tante und mein Onkel eine ca. 6-wöchige Reise quer durch Australien machten und vom Zeitplan her am Abend in Apollo Bay übernachten sollten, fuhren wir für die Übernachtung auch dort hin und wollten sie in ihrem Hotel überraschen. Die Überraschung gelang, aber wir trafen sie bereits mitten im Ort an, wo sie gerade in ihr Auto steigen wollten. Zusammen verbrachten wir einen gemütlichen Abend und tauschten unsere Reiseerfahrungen über Australien aus. Am nächsten Tag fuhren wir ans Cape Otway. Die Strasse führt durch einen Eukalyptus-Wald zu einem Leuchtturm, wo die Chance hoch ist, Koalas zu sehen und prompt bekamen wir wieder einige zu sehen. Danach sahen wir die bekannten 12 Apostel. Gesteinsformationen welche durch Erosion, Wind und Wetter aus Kalkstein-Brücken, bei denen die Bogen zusammengestürzt sind, entstanden sind. Mittlerweile sind aber nur noch deren 8 zu sehen. Die anderen sind zusammengefallen. Die Londoner Brücke, welche nun nur noch Londoner Bogen genannt wird, da der zweite Bogen vor ein paar Jahren eingestürzt ist, war nicht weniger beeindruckend. Den Abend verbrachten wir wiederum mit meinen Verwandten im kleinen Örtchen Port Fairy. Mein Fazit zur Great Ocean Road: Schöne Küstenstrasse um Koalas zu sehen, aber wir haben auf unserer Reise viel , abgelegenere Küstengegenden gesehen, wo es viel weniger Leute hat und damit eindrücklicher für uns war. Wenn man so etwas aber noch nie gesehen hat und Australien bereist, lohnt sich der Abstecher wohl.

Auf dem Weg zum Grampians Nationalpark fuhren wir durch einen Vulkankrater, welcher nun ein Wildtier Reservat ist. Hier sahen wir Kängurus, Vögel und viele Emus hautnah. Im Grampians Nationalpark angekommen wanderten wir zu den „The Pinnacles“ und durch den „Grand Canyon“ zurück (nicht zu verwechseln mit dem gewaltigen Grand Canyon der USA). Dies ist eine kurze Wanderung, welche uns hinauf auf einen Berg führte zu einem wahnsinnig tollen Aussichtspunkt, wo man hinunter ins Tal nach Halls Gap und zum Bellfield See schauen kann. Ohne grosse Umwege, aber mit einigen Schotterstrassen, ging es via Melbourne zurück nach Sydney. Wir hatten nämlich beide neue Pläne geschmiedet, da wir noch nicht nach Hause wollen und wollten keine Zeit verlieren und Vorbereitungen dafür treffen. Die Motorräder bräuchten nach so vielen Kilometern einige grössere Zuwendungen und es wäre zu teuer dies in Australien machen zu lassen, obwohl wir eigentlich einiges selber machen könnten. Wir wollten auch nicht nochmals so eine Zahnbürsten-Putzaktion wie in Dili für die Verschiffung der Motorräder nach Neuseeland machen und so entschieden wir uns, unsere Reise auf anderem Wege fort zu führen und die Motorräder nach Hause zu schicken.

Thomas entschied sich nach Neuseeland zu Reisen und eine längere Wanderung zu machen. Er will den Te Araroa Trail von Nord nach Süd machen. Eine 3000km lange Wanderung! Ich hingegen wollte mir nicht die Füsse wund laufen und dennoch nach Neuseeland reisen, wenn ich doch so nah bin und so entschied ich mich eine Rundreise mit einem Auto in Neuseeland machen zu wollen. Beide Pläne liessen sich gut vereinbaren, denn Thomas brauchte jemanden, der ihm half die ganze Wander-Ausrüstung zu organisieren und der ihn zum nördlichsten Punkt des Festlandes Neuseelands, dem Startpunkt des Te Araroa Trails, chauffieren würde. Da wir in Sydney wieder bei Alex und Debbie im Wohnwagen Unterschlüpfen konnten, war es uns möglich in relativ kurzer Zeit eine komplette Wander-Ausrüstung für Thomas zu organisieren. Trotz der Zeitintensiven Vorbereitung von Thomas auf dieses neue Abenteuer, fanden wir Zeit unsere Freunde Petra und Howard, welche wir von Perth her kennen zu besuchen. Sie machen eine Zweigstelle ihres Shops, wo sie hauptsächlich SW-Motech Produkte verkaufen, in Sydney auf. Wir konnten gleich mit anpacken und beim sortieren, auspacken und der Preis Beschriftung helfen. Es war interessant, mal hinter die Kulisse so eines Ladens schauen zu können und zu sehen was es logistisch heisst, so was aufzubauen. Da Howard auch noch seinen Geburtstag feierte, wurden wir von ihnen ins Bavarian Restaurant eingeladen. Wie der Name schon sagt, gab es deftige Deutsche Kost und tolles Weizenbier 🙂

Wieder zurück ging die Vorbereitung für Neuseeland weiter. Wir entkamen dem Putzen nicht ganz. Denn einige Teile unserer Ausrüstung, wie unser Zelt, nehmen wir mit nach Neuseeland. Da es auch bei der Einreise per Flugzeug strenge Einfuhr Vorschriften für persönliche Gegenstände gibt, musste alles von Staub und Dreck befreit werden. Ich nützte die Gelegenheit und imprägnierte das Zelt wieder einmal neu, da es doch inzwischen nicht mehr 100% Wasserdicht war. Während das Zelt trocknete, es lag auf dem Kopf auf der Wiese, da ich den Innenzeltboden imprägniert hatte, wehte es plötzlich sehr stark und das Zelt wurde hinfort geweht. Weder Thomas noch ich dachten daran, dass wir evtl. das Zelt mit Heringe befestigen sollten… Eine Windböe erfasste das Zelt und es wurde ca. 100 Meter in die Höhe erhoben. Das Zelt trieb auf die Strasse zu und wir rannten hinterher. Es verfing sich mal in einem Baum, mal im Zaun, doch es konnte sich immer wieder lösen und wieder in die Luft erheben. Schliesslich, ca. 400 Meter weiter bei einem Bauzubehör Geschäft, konnte jemand das Zelt festhalten. Glücklicherweise war es nicht fest beschädigt. Einzig das Gestänge musste zurechtgebogen und zusammengeflickt werden. Das konnten wir aber im Nu bewerkstelligen.

Am Dienstag flogen wir dann nach Auckland, Neuseeland und natürlich wurde das Zelt auf Staub und Dreck kontrolliert. Wir mussten es abgeben und ca. 20 Minuten darauf warten, bis die Kontrolle fertig war. Zurück bekamen wir ein Durcheinander, nicht so wie wir es abgegeben haben, aber immerhin hat unsere Putzaktion der strengen Quarantäne-Inspektion standgehalten.

Nov 04

Glück im Unglück (9.10.17 – 22.10.17)

Sydney, die Hafenstadt mit ihrem bekannten Opernhaus besichtigten wir mit einer „I am Free Tour“. Man wird in ca. 3 Stunden zu Fuss von einer in Sydney wohnhaften Person durch die Stadt geführt und sieht die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, erfährt etwas über die Geschichte, erhält Tipps für das Nachtleben und hört Stories. Die Tour hat keinen festgelegten Preis. Am Ende der Tour kann man dem Guide einen Betrag zahlen und die Höhe des Betrages danach bestimmen, wie es einem gefallen hat. Uns gefiel die Tour sehr, denn wir kamen auch zu Aussichtspunkte, die man als normaler Tourist nicht einfach so gefunden hätte. Da mich die Form des Opernhauses schon immer faszinierte, freute ich mich, das Opernhaus nun aus der Nähe sehen zu können. Es wurde entworfen vom dänischen Architekten Jorn Utzon, wurde innert 14 Jahren gebaut und kostete am Ende das 15-fache der budgetierten Baukosten.

Nachdem wir uns von unseren Gastgeber Debbie und Alex verabschiedeten, fuhren wir hinauf in die Blue Mountains. Wiederum unzählige kurvige Strassen, wie schon auf dem Weg nach Sydney. Wir hielten bei den Jenola Caves, verzichteten aber auf eine Führung und erkundeten die Umgebung auf eigene Faust. Hier sahen wir mehrere grosse australische Wasseragamen. Seit wir an der Ostküste fuhren hatte ich öfters mal „Fast – Kollisionen“ mit Vögeln, die hier offensichtlich warten bis man mit dem Motorrad kommt und sich dann von der Seite her auf die Fahrbahn zu bewegen und sich genau vor dem Motorrad in die Luft erheben. Als ich so schön mit 100km/h aus einer Kurve beschleunigte (dies ist hier die übliche Ausserorts-Geschwindigkeit), kam nun aber kein Vogel von der Seite her, nein der Vogel kam von vorne direkt auf Kopfhöhe auf mich zu geflogen. Ich duckte mich und glücklicherweise für den Vogel trafen wir nicht aufeinander. Da ich aber aus Reflex auch noch die Augen schloss und in einer Kurve fuhr, geriet ich abseits der Strasse. Einige Meter konnte ich mein Motorrad stabil im Gras fahren und bremsen, doch plötzlich traf ich mit dem rechten Bremspedal einen Stein und wurde hin und her, direkt in einen Stacheldrahtzaun geschleudert. Laut Thomas sah das ganze recht Übel aus (er fuhr hinter mir, da ich die Navigatorin war). Glücklicherweise hatte ich diesmal aber nichts an mir gebrochen und auch sonst keine wirklich üblen Schmerzen. Mein XT sah aber übler aus. Kaputtes vorderes Schutzblech, Bremspedal total verbogen, Tank zerkratzt, linke Koffer abgerissen und total verbeult, linker Blinker kaputt etc. Wir konnten den XT wieder Fahrtüchtig machen, den Koffer mit Spanngurten am verbogenen Kofferträger befestigen und entschlossen uns, wieder zurück nach Sydney zu Alex und Debbie zu fahren. Debbie erklärte mir dann, dass der Vogel, welcher Schuld an meinem Sturz war, ein Rosakakadu (auch Galah genannt) ist. Eigentlich ein sehr schöner Vogel…

Am nächsten Tag versuchten wir meinen XT wieder auf Vordermann zu bringen. Thomas und Alex bogen den Kofferträger wieder zurecht und ich versuchte Ersatzteile zu organisieren. Ich fand einen Motorrad-Teile-Verwerter und man kann es kaum glauben, er hatte genau denselben XT wie ich im Lager und er war fast vollständig. Es war kein Unfall Motorrad sondern der Motor ging kaputt, daher waren alle Teile in super Zustand und ich konnte alle Zubehörteile (Schutzblech, Blinker, Bremspedal etc.) sehr billig kaufen. Zurück bei Alex überraschte er mich. Er hatte in der Zwischenzeit angefangen meinen kaputten Alukoffer auszubeulen und wieder zurechtzubiegen, fertigte eine Platte für die Halterung an und erstellte sogar ein neues Biegeblech-Teil für mein Schloss, das verloren ging beim Sturz. Ich konnte es kaum Glauben, was er für ein Wunder vollbracht hatte. Nach nur einem Tag war mein Motorrad und das Zubehör wieder hergestellt. Nun fanden Alex und Debbie, dass sie uns ein Stück begleiten wollen, wenn wir am nächsten Tag wieder los fuhren. So fuhren wir zum Kangaroo Valley und verbrachten einen zwar regnerischen, aber tollen Morgen im Konvoi, bevor sie mit ihren DR 650 Suzukis wieder zurück nach Sydney und wir weiter nach Süden fuhren.

Nun begannen die interessanten Strassen. Es gibt in den Staaten New-South-Wales und Victoria viele tolle Schotterstrassen. Eine davon führte uns zur McKillops Brücke im Snowy River Nationalpark. Die Brücke führt über den Snowy River und wurde zwischen 1931 und 1936 gebaut. Im Jahr 1934, 2 Tage vor der Eröffnung wurde sie vom Fluss, wegen Hochwasser, weggespült. Daraufhin baute man die neue Brücke auf die alte oben drauf um den Fahrbahn Zugang höher legen zu können. Die Schotterstrasse führt durch einen wunderschönen Nationalpark, ist zum Teil nur einspurig, hat keine Leitplanken obwohl es steil ins Tal runter geht und das trotz Gegenverkehr. Mit dem Motorrad hat das Spass gemacht, für Autos, die sich kreuzen müssen, ist das aber eher mühsam.

An einem Tag starteten wir am Morgen am Hume Stausee und fuhren auf Feldwegen Richtung Süden. Thomas fuhr voraus und wegen dem Staub den er Aufwirbelte hielt ich genügend Abstand. Als ich in der Nähe von Carboor wieder auf eine geteerte Strasse stiess, lag Thomas vor seinem BMW im Dreck. Was war los? Nein, er hatte keinen Unfall, sondern er wälzte sich vor Verzweiflung am Boden. Sein hinteres Federbein war schon wieder kaputt! Überall war Öl ausgelaufen, da sich das Bauteil, wo die untere Dichtung drin sitzt losgeschraubt hatte. Dieses Mal war das Federbein aber ganz hinüber, da auch verbogen. Tja wir waren Mitten in einer Bauernhof Gegend, wo es keine grössere Stadt in der Nähe gab und wie man ja weiss erstrecken sich die Bauernhöfe in Australien km-weit. Ich schaute also mal auf Google Maps um zu sehen, was denn in unserer Nähe ist. Komischerweise hatte ich ganz in der Nähe bereits einen Punkt markiert, wobei ich mich fragte, wieso Mitten im „Nirgendwo“. Ich bekam einen Lachkrampf. Genau 3km weiter Nordwärts auf der geteerten Strasse war der einzige australische Touratech Händler, welchen ich früher mal markiert hatte in Google Maps. Was für ein Zufall ist das denn?! Als wir dort ankamen, sahen wir zwei grosse Scheunen. Der Inhaber Robin vertreibt nicht nur Touratech Produkte, er stellt auch Kanus und Safari-Tanks für Motorräder her. Er fragte Thomas, ob er das Federbein selber eingebaut hatte, was Thomas bejahte. So fand Robin, dann könne er ja auch das alte Federbein Ausbauen und ein Neues, welches Thomas auf Garantie Gratis bekam, Einbauen. So arbeiteten wir in einer super ausgerüsteten Werkstatt am BMW um ihn wieder flott zu kriegen, wurden in der Zwischenzeit mit Sandwiches versorgt und nach ca. 3 Stunden ging es schon wieder weiter.

Via Black Spur fuhren wir nach Melbourne. Die Black Spur Strasse führt durch einen Regenwald mit Farnen und hohen Bäumen. Da man wegen den vielen Kurven eh nur langsam fahren darf, konnte ich den Wald bestaunen. Da es ebenfalls regnete, sah das Ganze sehr verwunschen aus. In Melbourne konnten wir bei Paddys Familie Unterschlüpfen. Mit Paddy fuhren wir die Gibb River Road im Norden von Australien. Er ist inzwischen mit seinem Motorrad auf der Route Alaska nach Südamerika. Hier in Melbourne fanden wir auch einen Schweizer Laden mit Metzgerei. Wir gingen also dorthin, da wir für Paddys Familie ein Fondue machen wollten und daher spezielle Schweizer Käsesorten suchten. Die Inhaber des Laden Walmas’s sind ein Schweizer Paar, welche vor ca. 24 Jahren ihren Laden eröffneten. Unsere Begeisterung war immens, als wir nach so langer Zeit so viele Produkte aus der Schweiz sahen. Die Inhaberin Margrit lud uns kurzerhand zu Cervelats mit Senf und Brezel zum Mittagessen ein, als sie von unserer Weltreise und wie lange wir schon unterwegs sind hörte. Zurück bei Paddys Familie machten wir dann ein Fondue nach Thomas Mutters Fondue Rezept. Es fand riesigen Anklang.

Nach dem mein XT eine neue Kupplung bekam, da es schon lange Zeit dafür war, fuhren wir nach Phillip Island. Hier fand der Moto GP statt. Da wir gerade in der Gegend waren, kauften wir uns ein Ticket und verbrachten den ganzen Sonntag an der Rennstrecke. Das Wetter war wechselhaft. Wir hatten unzählige Lagen an um uns entweder gegen die Sonne oder Regen oder Kälte schützen zu können. Das Wetter machte es den Motorradfahrern nicht leicht. Im Warm-up des Moto-2 stürtze der Schweizer Tom Lüthi bereits in der 1. Runde. Da wir eine sehr gute Sitzposition zwischen zwei Kurven hatten, ereigneten sich viele Stürze anderer Fahrer direkt vor uns. Beim Rennen des Moto-GP regnete es zum Glück der Fahrer dann nicht, war aber trotzdem extrem spannend anzuschauen.

 

Okt 10

Süd-Ost-Queensland

Um die Whitsunday Inseln sehen zu können, buchten wir eine Tour mit einem Segelboot. Mit einem Katamaran gelangten wir zu einem Strand, von wo aus wir zu einem Aussichtspunkt laufen konnten. Von dort hat man einen spektakulären Ausblick auf den sogenannten Hill Inlet und auf den wirklich sehr weiss erscheinenden Strand. Da es momentan Quallen geben soll in dieser Region, mussten wir alle dünne Ganzkörper- Anzüge anziehen für das Schnorcheln. Das sah lustig aus. Lauter Touristen in violetten Anzügen 😉 Das Schnorcheln selber war aber eher enttäuschend. Beim Tauchausflug von Cairns aus haben wir viel schönere und buntere Korallen gesehen und die Sichtweite im Wasser war auch viel besser.
Nach dem wir von Sally und Ken unsere Gastgeber in Proserpine, mit einem deftigen Frühstück verabschiedet wurden, fuhren wir nach Broken River im Eungella Nationalpark, wo es Platypus geben soll. Der Platypus (auch Schnabeltier genannt) ist das einzige Säugetier, welches Eier legt. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, wenn man schon mal die Chance hat so ein spezielles Tier in freier Wildbahn zu sehen. Da der Fluss etwas in den Hügeln lag, mussten wir eine kurvige, steile Strecke hinauffahren. Vor dem Anstieg gab es einen Haufen Warnschilder, dass das sehr steil sei und es nicht für grosse Caravans geeignet sei und man ja aufpassen muss etc. Als wir dann hinauffuhren, stellte es sich als normale, überhaupt nicht anspruchsvolle Bergstrasse wie in der Schweiz hinaus. Die Leute in Queensland sind sich wohl einfach keine Berge gewohnt, dass sie solche Warnschilder aufstellen 😉 Der Platypus ist ein sehr scheues Tier, welches wir nur bei Dämmerung sehen konnten, da es mehrheitlich Nachtaktiv ist. Es sieht so aus wie eine Kreuzung von Biber und Ente. Tatsächlich sahen wir auch 4 dieser Tiere, aber wir waren erstaunt, wie klein und flink sie sind und wie gut sie sich tarnen können. Wenn sie am Grund des Flusses entlang schwammen, hatten wir keine Chance sie zu sehen. Einzig an den Blasen an der Wasseroberfläche wusste man, dass irgendwo dort ein Platypus sein sollte. Tauchten sie dann auf, war das meistens nur für einige Sekunden.
Seit wir im Osten von Queensland unterwegs waren, sahen wir viele Zuckerrohr Felder. Der Zuckerrohr wird von grossen Zuckerrohrschneide-Maschinen geschnitten bzw. kleingehäckselt und dann via Loren-Bahn zur Zuckerfabrik gefahren. In Rolleston blieben wir zwei Tage auf einem Campingplatz und machten von hier aus einen Ausflug in den Carnarvon National Park. Um zu den Wanderwegen zu gelangen, fährt man Kilometer weit durch flaches Farmland. So sahen wir viele Kühe, und wilde Emus mit Jungtieren. Hier gibt es eine Schlucht, in der man entlanglaufen kann, welche mit Palmen, Moose und Farne bewachsen ist. Ebenfalls sahen wir zum ersten Mal Kängurus, welche ihre Jungen im Beutel hatten. Diese waren erstaunlicherweise überhaupt nicht scheu und man konnte bis wenige Meter vor sie laufen und sie beobachten. Ein Höhepunkt bildet das sogenannte „Amphitheater“, eine ca. 60 Meter tiefe Kammer mit hohen Steilwänden, welche durch hinunter fliessendes Wasser ausgewaschen wurde. Die Felsmalereien der Aborigines und die Wanderung auf den Grat, Boolimba Bluff waren auch sehr schön. Vom Grat hat man einen tollen Ausblick in die Weite, über die Schlucht.
Auf dem Weg nach Harvey Bay, von wo aus man die Fraser Island von einem Pier aus sehen kann, machten wir einen Abstecher zur Dawson Mine (nahe Moura), wo Kohle abgebaut wird. Dort kann man von einer Plattform aus links und rechts direkt in die Mine sehen. Da es etwas abseits von Touristenwegen ist und somit wohl nicht oft Besucher vorbeikamen, freuten sich die Dumper Fahrer wohl sehr. Denn im Minutentakt, fuhr ein Dumper an unserer Plattform vorbei und die Fahrer hupten und winkten uns zu. Erstaunlicherweise waren die Hälfte der Fahrer weiblich. Das war im Gegensatz zu der Minentour in Tom Price ein richtiger Höhepunkt. Man ist direkt mitten in der Mine, sieht unzählige Dumper und muss noch nicht mal etwas zahlen dafür!
Die Route von Brisbane nach Sydney machte wieder richtig Spass. Nach Kilometer langem geradeaus fahren, fingen endlich Hügel und kurvige Strecken an. Da die meisten Touristen der Küste entlang nach Sydney fahren, gab es wenig Verkehr, dafür um so mehr Kurven 🙂 Auf dem Putty Highway trafen wir uns mit Alex und Debbie, welche wir in Oonadatta getroffen hatten und welche mit zwei DR650 Suzuki umher reisten. Da sie in der Nähe von Sydney wohnen, luden sie uns ein, ein paar Tage bei ihnen zu verbringen. Wir konnten in einen Caravan einziehen, die Scheune für notwendige Reparaturen an den Motorräder benützen und wurden mit feinem Essen verköstigt.

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